Wissen vs Erfahrung, Reflexion

Wissen vs Erfahrung, Reflexion

17.09.2020 (Amadeus) -

"Wissen" wird heute oft als etwas Externes verstanden. Entweder findet man es in Publikationen, erfährt es aus den Medien, der Politik oder von Menschen, die etwas studiert oder zumindest etwas auswendig gelernt haben.

In sein eigenes Wissen (aus Erfahrung und insbesondere durch Intuition) haben hingegen offenbar bloss wenige Vertrauen. Vielleicht haben sie auch bloss Bedenken oder Ängste, zu ihren Erfahrungen oder Gefühlen zu stehen, geschweige denn darüber zu berichten. Was nicht verwundern würde, leben wir doch in einer Gesellschaft, in der rasch und mit Nachdruck "gespalten" wird (VerschwörungstheoretikerInnen, XY-LeugnerInnen, Lügenpresse, Rechtsextreme, Linksextreme usw.). Dabei weiss doch eigentlich jeder Mensch (eben aus eigener Erfahrung), dass man etwas erst dann richtig wissen kann, wenn man es selber ausprobiert/geprüft/erfahren hat. Oder anders gesagt, Praxis geht über Theorie. Sei's drum.

Gestärkt wird "Wissen" gesellschaftlich betrachtet unter anderem durch den Verbreitungsgrad einer Sache ("Dieses Buch ist nicht irgend ein Buch, das ist ein Bestseller!"), berufliche Stellung ("Die ist im Fall zertifizierte Sowieso oder Dr. Prof. et cetera!") oder mit Geld (Propaganda, Verschwörung, Korruption, Betrug). Es gibt auch noch sogenannte "unabhängige Faktenchecker" (die sich bei näherer Betrachtung aber oft als gar nicht so unabhängig, geschweige den Fakten orientiert entpuppen).

"Evidenz durch wissenschaftliches Arbeiten" klingt da schon vielversprechender, um Wissen zu gewinnen. Das ist theoretisch eine feine Sache, da auf diese Weise Wissen via Annahmen über Theorien, Experimente und Kontrollexperimente sowie Verifikation von "unabhängigen" Dritten entsteht. Durch Letzteres, sogenannte Peer Reviews, gesellt sich via Verifikation des angeblich gewonnenen Wissens, via "unabhängigen Dritten", ein weiteres "Sicherheitsmerkmal" in den Ablauf ein. Leider wird aber selbst dieser Mechanismus nachgewiesenermassen immer wieder ausgehebelt. Nicht selten werden also aufgrund wirtschaftlicher Interessen und/oder Korruption, angeblich wissenschaftliche Fakten als unwissenschaftliches Arbeiten oder gar Wissenschaftsbetrug entlarvt.

In der Praxis ist Wissenschaft also offenbar kein Garant für Wissen.

Vielleicht macht es daher in einer Welt wie der unserigen am Ende doch am ehesten Sinn, auf sich selber zu hören und damit zu leben, dass man eben nur das wirklich wissen kann, was man selber ausprobiert/geprüft/erfahren hat.

#mitwelt