Das Magazin, Daniel Straub

Daniel Straub, Das Magazin

Schöner und erbauender “Das Magazin”-Bericht über Daniel Straub zum Thema Grundeinkommen. dasmagazin.ch

Protokoll Oliver Demont, Bild Maurice Haas

Die Idee ist: Jeder in der Schweiz erhält monatlich 2500 Franken vom Staat, ohne dass man dafür Bedingungen erfüllen muss. 70 000 Unterschriften haben wir bereits gesammelt, im Herbst wollen wir die Initiative einreichen. So wie es zurzeit ausschaut, kriegen wir das hin.

Utopist, Sozialromantiker oder einfach nur Spinner, das höre ich immer wieder. Alles ist richtig. Als ich vor Jahren zum ersten Mal über das Grundeinkommen las, dachte ich: Das kann ja nicht funktionieren. Das würde die ganze Gesellschaft auf den Kopf stellen. Und vor allem: Wer soll das zahlen?

Ich begann mehr über das Thema zu lesen, lernte einige andere «Spinner» kennen und veranstaltete in Zürich einen Vortrag mit Götz Werner, Gründer einer deutschen Drogeriekette mit Milliardenumsatz und Befürworter des bedingungslosen Grundeinkommens. An diesem Abend fragte Werner die Zuhörer im Raum, was sie tun würden im Leben, wenn sie frei wählen könnten und keinerlei äusseren Zwängen ausgesetzt wären. Vielleicht hört sich das jetzt pathetisch an, aber maximal eine Sekunde später wusste ich, dass ich eine Initiative für ein Grundeinkommen starten will.

Die Schweiz muss nun als erstes Land dieser Welt darüber diskutieren und abstimmen, das ist grossartig! Dass ich diese Möglichkeit ausschöpfen kann, dafür mag ich dieses Land.

Von der Idee fühlen sich viele provoziert, zumindest wenn sie das erste Mal davon hören. Den Trigger ihrer Aufgebrachtheit kann ich bis heute nicht ganz nachempfinden. Vielleicht, weil die Vorstellung eines Grundeinkommens die Bereitschaft braucht, ein weisses Blatt Papier hervorzunehmen, Dinge also wirklich neu zu denken. Das verunsichert viele. Dabei ist es nur so, als würde man den Zeitpunkt, an dem man die AHV bezieht, auf null Jahre heruntersetzen. Und kennen Sie jemanden, der sich schämt, die AHV zu beziehen?

Um in der Schweiz leben zu können, braucht jeder Geld. Wäre es da nicht sinnvoller, diesen Teil, den man unbedingt braucht, bedingungslos zu machen? Der Betrag von 2500 Franken ist nicht in Stein gemeisselt. Die Festlegung des genauen Betrags würde das Volk nach Annahme der Initiative entscheiden. Wichtig ist einzig, dass ein Mensch mit diesem Geld ein menschenwürdiges Leben führen kann und – ganz zentral: Er muss dadurch zu einem Job Nein sagen können.

So könnte viel mehr entstehen und existieren, was heute aus Kostendruck nicht geleistet wird, weil zu viele den ganzen Tag ihrem Lohn nachrennen müssen. Erst ein bedingungsloses Grundeinkommen bringt die Freiwilligkeit – und mit ihr die Kreativität. Von da an haftet jeder für sein Handeln und dafür, ob er glücklich wird oder nicht. Denn satt würde er schon durch sein Grundeinkommen. Damit landen wir automatisch bei einem urliberalen Wert: der Eigenverantwortung.

Dass der Mensch träge und faul ist, wenn man ihm alles hinstellt, ist ein Irrtum. Davon bin ich überzeugt. Der Mensch will arbeiten – besonders wenn er einen Sinn darin sieht. Den muss jeder selber für sich finden. Das würde natürlich auch bedeuten, dass die Mehrheit weiterschuften würde, weil es für sie Sinn ergäbe, weit mehr als Zweieinhalbtausend zu haben.

Und wenn wir schon beim Geld sind: 200 Milliarden würde das Ganze den Staat kosten. Mit tieferen Löhnen und zum Teil eingesparten Sozialleistungen liesse sich das finanzieren.

Würde bereits in einer Woche über das Grundeinkommen abgestimmt, würde es ganz klar abgelehnt. Was aber in ein paar Jahren und nach einer ausgiebigen Debatte in der Gesellschaft das Ergebnis wäre, kann heute niemand sagen. Wer hätte schon vor drei Jahren gedacht, dass das Bankgeheimnis so schnell verschwindet?

Selbst gestandenen Unternehmern gefiel unsere Idee. Dafür erkannte einer an einer Juso-Veranstaltung leicht entsetzt: «Aber dann kann ja eine Putzfrau, die zusätzlich zum Grundeinkommen voll weiterarbeitet, am Ende 6000 Franken verdienen?!» Stimmt, kann sie.

Das bedingungslose Grundeinkommen rückt die Frage ins Zentrum, welcher Arbeit wir als Gesellschaft künftig welchen Wert beimessen. Oder anders gefragt: Warum zahlen wir eigentlich Menschen, denen wir unsere Kinder anvertrauen, viel weniger Geld als jenen, denen wir unser Geld anvertrauen?

, 14.03.2013, 9 Kommentare.

Leben, , , , ,

9 Kommentare

  1. Esther Paulussen,

    Super Artikel, befreiende Gedanken!
    Eine Bevölkerung, die sich voll Freude und kreativer Ideen aufmacht, eine neue Umwelt zu erschaffen ganz einfach, weil sie Raum und Zeit findet, Träume zu verwirklichen…
    …und natürlich Politiker, die unverschlüsselt reden können, weil es ihre Lügen nicht mehr braucht…
    …innere Bilder, die im Zusammenhang mit der Vorstellung des Grundeinkommens aufleuchten….
    …und es wird in dieser Richtung eine lebensfördernde Entwicklung geben, so oder so…
    ..wirklich grossartig, dass wir hier in der Schweiz diesen schon weltverändernden Denkprozess in Gang setzen können…

    Danke für den Artikel!

  2. Amadeus,

    Ich freue mich auch sehr, dass solche Ideen mittlerweile auf breites Interesse stossen! Was für eine fantastische Zeit! :)

  3. Markus Fenner,

    So verlockend das bedinungslose Grundeinkommen für manche klingen mag, so verheerend wären seine konkreten Folge, würde dieser Vorschlag wirklich mal in die Realität umgesetzt. Ich kann in diesem kurzen Raum nicht mal andeuten, was alles falsch laufen würde, glauben Sie mir aber: es wäre eine Menge. Es ist eine riesige Spinnerei mit dem BGE, nur weil manche nicht arbeiten wollen.
    Daniel Straub muss sich endlich entscheiden, ob er weiterhin realitätsfeindliche Utopien vertreten will, die sehr gefährlich sind, oder ob er sich besinnen will, Arbeit aufnehmen will und ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft werden will.

  4. Jens Heinich,

    Das Bedingungslose Grundeinkommen bietet die Chance frei zu sein ohne Zwänge. Es ist auch nur eine “Brücken-Technologie” hin zu einem Sozialen Einkommen. Das Soziale Einkommen bekommt jeder Mensch ausgezahlt um seine Grundbedürfnisse zahlen zu können. Das heißt, es werden kein Kredite oder Schulden gebraucht. Jeder der arbeitet bekommt einen Bonus z.B. Mietfrei für 6 Monate oder Tanken für ein halbes Jahr, 1000 Euro extra. etc. Geld spielt dann nur noch eine untergeordnete Rolle und nur noch nach Bedarf konsumieren. Geld wird dann nur noch für die notwendigen Dinge ausgegeben, wie Miete, Strom, Wasser, Heizung. Luxusartikel und Konsumgüter für den nichttäglichen Gebrauch werden bezahlt, wenn Menschen eine Tätigkeit nachgehen, die registriert sind – ganz ohne Zwang.

  5. josef traxler,

    ……schön, dass es noch Leute gibt, welche an den Weihnachtsmann glauben – träumen Sie weiter!
    Freundliche Grüsse
    J. Traxler

  6. R.Steffen,

    Erst dachte ich Spinner… Dann hat mich der Gedanke nicht mehr losgelassen und ich begann zu rechnen.. Wenn ich mit meinem Arbeitspensum von 100%, Fr.7’500.- verdiene, brauche ich noch 2/3 d.h. an Stelle von 42 Stunden nur noch 28 Stunden zu arbeiten und kommt mit dem BGE auch auf Fr.7’500.-. Das ist doch super.. Da werden auf 2Personen die weniger Arbeiten sogar ein Arbeitsplatz frei.
    Dann habe ich aber weiter gerechnet und dachte wie soll das Finanziert werden?
    Ich kenne einige Hausfrauen die Teilzeit arbeiten um eigenes Taschengeld zu haben oder der Familie die Ferien oder zusätzlichen Luxus zu finanzieren. Sie verdienen z.B. zwischen 500.- und 1’000 Franken pro Monat. Was für eine Motivation haben sie, weiter zu Arbeiten wenn jeden Monat Fr. 2’500.- auf das Konto kommen ohne dass sie einen Finger rühren müssen.. Auch die Tieflohn Angestellten.. Sie verdienen zum Teil nich viel über dem BGE. Wieso sollen sie 100% Arbeiten wenn sie ende Monat die 2’500 Franken sowieso erhalten?
    Nun habe ich letzte Woche die “Arena” geschaut und erhoffte befriedigende Antworten.
    Die Befürworter Straub und Studhalter haben mich überzeugt.. ich lege sicher ein grosses NEIN in die Urne.. Muss man Studiert oder keine ausfüllende Arbeit haben um auf solche realitätsfremde Gedanken zu kommen? Sicher, der Gedanke weniger zu Arbeiten für gleich viel Geld tönt Verlockend, aber mit etwas gesundem Verstand merkt man relativ schnell, mehr bekommen, weniger leisten, das muss in die Hose gehen! Da kommt mir wieder mein erster Gedanke in den Sinn..

  7. Amadeus,

    Die stärkste Botschaft hinter dem Grundeinkommen ist für mich die Befreiung vom grundsätzlichen Zwang arbeiten zu müssen, um gesellschaftsfähig zu sein. Ich bin davon überzeugt, dass die Leute, die im derzeitigen System versuchen, so wenig wie möglich tun zu müssen, dies vor allem deswegen tun, weil sie ein Leben voller Zwänge und Ängste gewohnt sind und sich dadurch abnormale Verhaltensmuster angeeignet haben. Dies betrifft meiner Meinung nach aber grundsätzlich sämtliche Menschen unserer Gesellschaft. Das Leben ist ein Kampf und diese Grundvoraussetzung beeinflusst die Menschen negativ. Schon die Kinder in der Schule leiden darunter. Die Gegner des Grundeinkommens beziehen sich oft auf die “faulen”, “unfairen” Nutzniesser, welche die Menschen angeblich sind, die das System dann zum Fall bringen würden. Die grosse Chance im Zusammenhang mit dem Grundeinkommen sehe ich aber gerade darin, die Menschen von ihren Ängsten und den damit zusammenhängenden, pervertierten Verhaltensmustern zu befreien und aus ihnen jene Wesen voller Potential und Schöpfungskraft zu machen, die sie waren, bevor das System sie verändert hat. Die meisten Menschen möchten etwas bewirken, etwas tun, selbst wenn es nur “anderen Menschen eine Freude machen” ist oder “mit anderen Menschen etwas schönes erleben”. Befreit von den heute herrschenden Zwängen zur Existenzerhaltung, so glaube ich, werden die Menschen ihre waren Talente mit der Zeit entdecken und sie anwenden. Ein mögliches Ergebnis könnten in der Folge viele neue Startups sein oder viel neue, ehrenamtliche Betätigungen. Meiner Meinung nach sind die Menschen heute krank, traurig und geistig verwirrt. Ich kann mir gar nicht vorstellen, was alles möglich sein wird, wenn diese negative Entwicklung nicht weiter wuchern kann und an ihrer Stelle neue, liebevolle, positive Werte Gewicht erhalten werden. Ich werde auf jeden Fall JA stimmen.

  8. Désirée Henggi,

    Amadeus, du hast es absolut brillant formuliert. Du sprichst aus reinem Herzen, mit voller Kraft. Das ist das, was wir in dieser Zeit brauchen!
    Kritik am Bedingungslosen Grundeinkommen ist eine mit Defiziten beladene Altlast, die es loszulassen gilt.

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