Emotionales Geld, Marcel Baumann

Emotionales Geld, Marcel Baumann

Wir träumen seit einer Weile von Freude als Währung. Einen äusserst interessanten Beitrag zu diesem Thema – mit einem anderen Blickwinkel – hat nun unser Freund Marcel in Schriftform festgehalten. Seine Vision des „Emotionalen Geldes“ sieht eine im Feinstofflichen verankerte Parallelwährung vor. Weiter geht es mit Marcel’s Erklärung des Emotionalen Geldes nach dem Bild.

„Grosszügig sein, lohnt sich – Emotionales Geld macht glücklich.“

Was ist Emotionales Geld?

Wir alle kennen materielle Werte. Unser Geld ist ein Mittel, um materielle Werte zu bezahlen. Materielle Werte bestimmen die meisten Entscheidungen in unserer Gesellschaft. Neben den materiellen Werten gibt es aber auch noch emotionale Werte, die bei einem Kauf Einfluss auf den Preis haben können. Bei einem klassischen Kauf einigen sich der Verkäufer und der Käufer auf einen Preis. Der Preis wird so verhandelt, dass der Käufer ein gutes Gefühl hat („Ich habe nicht zu viel bezahlt.“) und der Verkäufer ein gutes Gefühl hat („Ich habe nicht zu wenig verlangt“).
Der optimale Preis entsteht also in einem klassischen Markt via Angebot und Nachfrage.

Soviel zur gängigen Theorie. Wie beeinflussen aber unsere menschlichen Gefühle den Kaufpreis? Was passiert, wenn ein Geschäftspartner grosszügig ist? Wenn der Käufer grosszügig ist, bezahlt er mehr. Wenn der Verkäufer grosszügig ist, verlangt er weniger. Grosszügige Menschen haben immer den Effekt, dass ihre Geschäftspartner zufriedener sind. Wenn ich mehr bezahle, erhalte ich Dankbarkeit und wenn ich weniger verlange, erhalte ich ebenfalls Dankbarkeit.
Es gibt also bei einem Kauf eine emotionale Komponente, die ausgetauscht wird. Je grosszügiger der Käufer ist, desto mehr Dankbarkeit schenkt der Verkäufer dem Käufer (wenn ich Trinkgeld gebe, erhalte ich ein Lächeln). Je grosszügiger der Verkäufer ist, desto mehr Dankbarkeit erhält er vom Käufer (Freundschaftspreis).

Grosszügige Geschäftspartner führen zu einer zufriedenen Gesellschaft.
Geizige Geschäftspartner führen zu einer unzufriedenen Gesellschaft.

Was nützt die Grosszügigkeit in einem anonymen Markt, wo sich die Geschäftspartner gar nicht kennen lernen? Grosszügig sein nützt hier gar nichts! Wer blöd ist und die Preise nicht vergleicht, zahlt zu viel. Geiz ist geil.

Grosszügige Menschen haben in einem anonymen Markt also keinen Vorteil. Die Käufer verwandeln sich schleichend in „Geiz ist geil“ Kunden.

Wäre es aber möglich, dass ein grosszügiger Mensch Dankbarkeit sammeln und weitergeben könnte? Könnte man den Markt so beeinflussen, dass grosszügige Menschen belohnt werden? Gibt es einen Weg, die allgemeine Zufriedenheit in einer anonymen Marktwirtschaft zu optimieren?
Wenn wir ein internationales Punktesystem einführen, welches bei jedem Kauf die Grosszügigkeit des Käufers bewertet, dann erhält ein grosszügiger Käufer plötzlich zählbare Punkte, die sich in seinem Konto ansammeln. Der Käufer sammelt in gewisser Weise Dankbarkeit. Wer solche Punkte sammelt, kann diese später in der Rolle als Verkäufer an seinen Kunden zum Dank für deren Grosszügigkeit verteilen.
du denkst jetzt wahrscheinlich, dass du nur Mitarbeiter einer Firma bist und deshalb sehr selten in der Rolle als Verkäufer unterwegs bist. Das ist nicht ganz richtig. Immer wenn Geld in dein Lohnkonto fliesst, hat der Arbeitgeber deine Arbeitsleistung bezahlt. du verkaufst also jeden Monat deine Arbeitsleistung. Falls dein Arbeitgeber grosszügig ist, erhältst du einen etwas grösseren Lohn oder mehr bezahlte Ferien. du wirst nicht ausgebeutet und bist deshalb zufriedener. Diese Grosszügigkeit kannst du mit den gesammelten Punkten, die du als grosszügiger Kunde erhalten hast, deinem grosszügigen Arbeitgeber jeden Monat bezahlen. du gibst sozusagen die Dankbarkeit, die du als grosszügiger Konsument erhalten hast, an deinen grosszügigen Arbeitgeber weiter. Falls du Dich entschliesst geizig zu sein, findest du keinen grosszügigen Arbeitgeber. Wer also einen grosszügigen Arbeitgeber will, wird automatisch gezwungen, als grosszügiger Kunde Punkte zu sammeln.

Was macht die Firma mit den ganzen Punkten, die sie von ihren gut bezahlten Mitarbeitern erhält? Ganz einfach. Die Firma verlangt höhere Preise für ihre Produkte und verteilt im Gegenzug die Punkte an ihre Kunden. Geiz ist dann eben plötzlich nicht mehr so geil, weil ich dann nur noch bei geizigen Arbeitgebern einen Job finde, die ihre billigen Produkte weiterhin ohne Herausgabe von Punkten verkaufen.

Das Emotionale Geld fliesst also immer entgegen dem normalen Geld. Je zufriedener der Verkäufer ist, desto höher ist der prozentuale Anteil, welcher in Form von Emotionalem Geld an den Käufer ausbezahlt wird. Eine Firma kann ihr soziales Niveau wählen, indem sie festlegt, wie hoch der Anteil von Emotialem Geld beim Verkauf der Produkte ausfällt. Die Mitarbeiter müssen diesen Anteil im Gegenzug zu ihrem Lohn bezahlen.

Stell Dir vor, es gibt bei jedem Preis eine zusätzliche Prozentangabe, die definiert, wie viel Emotionales Geld du beim Kauf erhältst. Umso fairer die Menschen in der Produktionskette eines Herstellers behandelt werden, desto höher ist der Preis. Gleichzeitig ist aber auch der Anteil an Emotionalem Geld höher, den ich beim Kauf zurück bekomme. Ich erhalte also in einem gewissen Sinne Fair Trade Labels, die ihren Wert nach dem Kauf nicht verlieren.

, 26.02.2016, Kommentare.

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